Max Weiler vor dem Österreich-Pavillon auf der XXX. Biennale in Venedig, 1960

Es ist keineswegs ungewöhnlich, dass Künstler eigene Themen wieder aufnehmen, mit Variationen arbeiten oder auch, besonders unter modernen Vorzeichen, die Serie pflegen. Spätestens seit Monets "Kathedralbildern", den "Meditationen" von Jawlensky oder seit Josef Albers "Ehrungen an das Quadrat" sind derartige Phänomene wichtig und geläufig. Bei Weiler liegt aber etwas anderes vor. In erheblichen zeitlichen Abständen hat er wenige Schlüsselbilder seiner Arbeit wieder aufgegriffen und dasjenige, was ihn daran beschäftigt hatte, in die jeweils aktuelle Darstellungsform übersetzt. So beobachten wir denkbar verschiedene stilistische Attitüden, bei gleichbleibendem Thema. Aber worin besteht eigentlich das Thema? Kann man beim Übergang von der Figuration zu abstrahierenden bzw. zu abstrakten Bildern überhaupt noch von thematischer Kontinutät reden? Genauer betrachtet, geht es dem Künstler darum, in der Wiederaufnahme des Themas die Wirklichkeit des schon bestehenden Ausgangsbildes mitzugewinnen. Sie in ihren Brechungen, durch die Zeit hindurch, zu verfolgen.


Die Sequenz der Gemälde bildet Zeitschichtungen aus. So gesehen ist es Malerei über Malerei, aber sehr viel weniger aus einem formalen Interesse denn aus dem einer Bestimmung seiner eigenen Position. Wir haben es gleichsam mit Messvorgängen im historischen Raum der eigenen Arbeit und ihrer Rahmenbedingungen zu tun. Das lässt sich besonders gut an den Variationen der "Bauernfamilie" oder des "Hohen Liedes" verfolgen.


Die Hochzeit von Schöpfer und Geschöpf, die einander in Liebe zugetan sind, war für Weiler ebenso exemplarisch wie sein Versuch, in exponierter persönlicher und zeitgeschichtlicher Lage (1938-1945) nach dem Untergang der Bund-Neuland-Ideale durch genaue Beobachtung von Mensch und Natur ein neues Fundament der eigenen Arbeit zu begründen. Sehen, was ist: mit dieser Devise ist seine Kontinuität markiert. Nach 1945 hat er an diese ganz irdische, diesseitige und wirklichkeitsgesättigte Sichtweise wieder angeknüpft. Die Voraussetzungen dafür aber sind schon am Ende der dreissiger Jahre gelegt worden.

Natur (Aus dem Hohen Lied I), 1933
Harzöl auf Sperrholz gebeizt
171 x 121 cm
Aus dem Hohen Lied II, 1957
Öl auf Leinwand
146 x 96 cm
Aus dem Hohen Lied III (Natur, Malerei - am Rande weiß), 1959/60
Öl auf Leinwand
150 x 108 cm
Die Bauernfamilie, 1941
Öl auf Leinwand
200 x 200 cm
Land Tirol Landessammlung
Verwandelte Bauernfamilie (Malerei - grau, Komposition I), 1958/59
Öl, Eitempera auf Leinwand
114,5 x 143 cm
Sammlung Bank Austria
Die nächste Verwandlung der Bauernfamilie (Malerei auf gelborange grün), 1958/59
Öl auf Leinwand
90 x 115 cm
KR Dr. Hans und Dr. Wolfgang Klocker Stiftung, Innsbruck
Letzte Verwandlung der Bauernfamilie (Malerei - heller Grund. Heller Grund mit urtümlichen Gestalten), 1960
Öl, Eitempera auf Leinwand
198 x 205 cm