{"id":1220,"date":"2019-02-23T11:12:49","date_gmt":"2019-02-23T11:12:49","guid":{"rendered":"http:\/\/maxweiler.at\/?page_id=1220"},"modified":"2022-01-07T10:04:06","modified_gmt":"2022-01-07T10:04:06","slug":"fluegelbilder-1966-68","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/maxweiler.at\/index.php\/fluegelbilder-1966-68\/","title":{"rendered":"Fl\u00fcgelbilder, 1966-68"},"content":{"rendered":"\n<p>Auch in Weilers Arbeit markiert das Jahr 1968 eine Phase des Umbruchs. Die Ersch\u00fctterungen politischer und kultureller Art, die sich europaweit ereigneten, registrierte seine au\u00dferordentliche Sensibilit\u00e4t ohne Z\u00f6gern. Wir finden Bilder, die auf den revolution\u00e4ren Befreiungskampf in S\u00fcdamerika reagieren (&#8220;Camillo Torres und Che Guevara, zwei Revolution\u00e4re&#8221;, 1969), wir finden aber auch eine prompte Antwort auf die erste Mondreise des Menschen (&#8220;Landschaft am Mond&#8221;, 1969). Eine derartig kosmisch orientierte Seele wie diejenige Weilers erfuhr durch die ersten technischen Bilder vom nahen Weltraum, von den ersten Bildern und Berichten, welche die Erde als blauen Planeten im schwarzen Himmelsraum als Gestirn unter Sternen erfassten, eine enorme Anregung. Weiler hatte gar keine grunds\u00e4tzlichen Schwierigkeiten, die neuen technischen Realit\u00e4ten der Mondfahrt in seine Sprache zu \u00fcbersetzen. Auf &#8220;Abbildung&#8221; l\u00e4sst er sich l\u00e4ngst nicht mehr ein, es geht um ein Nachschaffen des Wirklichen, in einem unabh\u00e4ngigen visuellen System, in einem pers\u00f6nlichen Resonanzraum. Das Bild &#8220;Andockman\u00f6ver&#8221; (1969) w\u00e4hlt einen komplexen Vorgang der Weltraumfahrt zum Titel. Was wir sehen ist ein auf ganz andere Weise komplexer Begegnungsprozess, in den gleichwertige, sich organisierende Flecken verwickelt sind, gelbe Kreise auf die sonnenartige Aussendung des Lichtes verweisen, w\u00e4hrend im Vordergrund eine dunkle Masse den Rand eines Himmelsk\u00f6rpers andeutet, von dem Brocken hochgeschleudert werden. Ein dunkles Himmelsblau ist als Grund gew\u00e4hlt, so wie in der &#8220;Landschaft am Mond&#8221; eine trostlose Nachtschw\u00e4rze auf die zuk\u00fcnftigen farbges\u00e4ttigten Bilder verweist, die er &#8220;Landschaften auf t\u00f6nenden Gr\u00fcnden&#8221; nennen wird. Vor dieser inhaltlichen Auseinandersetzung mit besonderen Spitzenereignissen der Zeitgeschichte, in der sich, wie gesagt, der \u00dcbergang zu einer neuen Arbeitsphase ank\u00fcndigt, liegt die Gruppe der insgesamt zw\u00f6lf &#8220;Fl\u00fcgelbilder&#8221;. Auch f\u00fcr den heutigen Betrachter besitzen sie einen experimentellen Charakter, und insoweit weichen sie von Weilers gewohnter Ausrichtung deutlich ab.<\/p>\n\n\n\n<p>Der kunstgeschichtliche Kontext dieser Malerei besteht in der Idee des &#8220;offenen Bildes&#8221;, wie sie sich in der europ\u00e4ischen und amerikanischen Nachkriegskunst etabliert hatte. Auch andere K\u00fcnstler experimentierten mit solchen Bildformen, die sich von der Konvention des Rechtecks als Tr\u00e4ger und Ort der Malerei verabschiedeten. In der amerikanischen Kunst war seit Beginn der sechziger Jahre, zum Beispiel bei Frank Stella, das Konzept des &#8220;shaped canvas&#8221; entstanden.<\/p>\n\n\n\n<p>Die &#8220;Fl\u00fcgelbilder&#8221; aktivieren, was schon lange zuvor zur Realit\u00e4t seiner eigenen Gem\u00e4lde geh\u00f6rt hatte. Blicken wir auf die Folge &#8220;Wie eine Landschaft&#8221; oder gar auf das Vorhangbild des Innsbrucker Theaters, dann sehen wir bereits daran, was schon lange zuvor zur Realit\u00e4t seiner Gem\u00e4lde geh\u00f6rt hatte. Sie weisen offene Farb-Form-Konstellationen auf. Es brauchte deshalb nur einen kleinen Schritt, diese farbige Dynamik auch zum Kriterium der Bildgrenze zu erheben. Die &#8220;Fl\u00fcgelbilder&#8221; basieren auf der Einsicht, dass die Malerei soweit reicht, wie die Energie der an ihr beteiligten Mittel.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieser Aspekt war Weiler seit langem vertraut. Experimentierend darf man aber die Folgen bezeichnen, die sich aus der ver\u00e4nderten Anordnung der Farben ergaben. Das Bildwerk pr\u00e4sentiert sich als ein K\u00f6rper im Raum. Es l\u00e4sst sich \u00f6ffnen, klappen, falten. Tendenziell l\u00f6st es sich von der Wand und es ist gewiss mehr als eine blo\u00dfe Metapher, wenn man die &#8220;Fl\u00fcgelbilder&#8221; auch mit dem Fliegen, dem Flug der Farben, verbindet. Weiler hat diese Werke in den freien Raum gestellt, die Farbe als ein Raumereignis inszeniert, das nur durch ihre Bindung an die Leinwand an die Beschaffenheit des Gem\u00e4ldes erinnert. Verk\u00f6rperung der Farbe und ihre gleichzeitige Entk\u00f6rperung im Raum, mit dieser wechselseitigen Relation l\u00e4sst sich die Bildergruppe charakterisieren.<br><br><br><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"849\" height=\"1200\" src=\"https:\/\/maxweiler.at\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/mw662.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1221\" srcset=\"https:\/\/maxweiler.at\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/mw662.jpg 849w, https:\/\/maxweiler.at\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/mw662-212x300.jpg 212w, https:\/\/maxweiler.at\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/mw662-768x1086.jpg 768w, https:\/\/maxweiler.at\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/mw662-724x1024.jpg 724w\" sizes=\"auto, (max-width: 767px) 99vw, (max-width: 1000px) 99vw, (max-width: 1071px) 99vw\" \/><figcaption><strong>Berge mit Purpurhimmel, 1965-68<br><\/strong>Eitempera auf Holz und Karton <br>88 x 62,7 cm<br><br><\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignfull\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1308\" height=\"1200\" src=\"https:\/\/maxweiler.at\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/mw660.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1222\" srcset=\"https:\/\/maxweiler.at\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/mw660.jpg 1308w, https:\/\/maxweiler.at\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/mw660-300x275.jpg 300w, https:\/\/maxweiler.at\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/mw660-768x705.jpg 768w, https:\/\/maxweiler.at\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/mw660-1024x939.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 767px) 99vw, (max-width: 1000px) 99vw, (max-width: 1071px) 99vw\" \/><figcaption><strong>Die Gro\u00dfe Blume, 1968<br><\/strong>Eitempera auf Spanplatte und Karton <br>Grundfl\u00e4che: 50 x 150 cm Mit ausgeklappten Fl\u00fcgeln: 210 x 176 cm <br>Museum Moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien<br><br><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignfull\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1900\" height=\"1183\" src=\"https:\/\/maxweiler.at\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/K.15.08_1968_grLandschftsverw.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1331\" srcset=\"https:\/\/maxweiler.at\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/K.15.08_1968_grLandschftsverw.jpg 1900w, https:\/\/maxweiler.at\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/K.15.08_1968_grLandschftsverw-300x187.jpg 300w, https:\/\/maxweiler.at\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/K.15.08_1968_grLandschftsverw-768x478.jpg 768w, https:\/\/maxweiler.at\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/K.15.08_1968_grLandschftsverw-1024x638.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 767px) 99vw, (max-width: 1000px) 99vw, (max-width: 1071px) 99vw\" \/><figcaption><strong>Die gro\u00dfe Landschaftsverwandlung, 1968<br><\/strong>Eitempera und Tusche auf Sperrholz und Karton <br>Grundfl\u00e4che: 170 x 300 cm Mit ausgeklappten Fl\u00fcgeln: 305 x 520 cm <br>Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum, Innsbruck<br><br><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignfull\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1831\" height=\"1200\" src=\"https:\/\/maxweiler.at\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/mw666.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1223\" srcset=\"https:\/\/maxweiler.at\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/mw666.jpg 1831w, https:\/\/maxweiler.at\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/mw666-300x197.jpg 300w, https:\/\/maxweiler.at\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/mw666-768x503.jpg 768w, https:\/\/maxweiler.at\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/mw666-1024x671.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 767px) 99vw, (max-width: 1000px) 99vw, (max-width: 1071px) 99vw\" \/><figcaption><strong>Kalkgebirge mit farbigen Fl\u00fcgeln, 1967-69<br><\/strong>Eitempera, Tusche, Kohle auf Leinwand und Sperrholz <br>Grundfl\u00e4che: 200 x 195 cm Mit ausgeklappten Fl\u00fcgeln: 315 x 200 cm<br><br><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignfull\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1596\" height=\"1200\" src=\"https:\/\/maxweiler.at\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/mw658.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1224\" srcset=\"https:\/\/maxweiler.at\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/mw658.jpg 1596w, https:\/\/maxweiler.at\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/mw658-300x226.jpg 300w, https:\/\/maxweiler.at\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/mw658-768x577.jpg 768w, https:\/\/maxweiler.at\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/mw658-1024x770.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 767px) 99vw, (max-width: 1000px) 99vw, (max-width: 1071px) 99vw\" \/><figcaption><strong>Verstecktes Waldtier, 1968<br><\/strong>Eitempera auf Spanplatte und Karton <br>Grundfl\u00e4che: 38 x 70 cm Mit ausgeklappten Fl\u00fcgeln: 122 x 137 cm<br><br><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignfull\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1779\" height=\"1162\" src=\"https:\/\/maxweiler.at\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/mw665.jpg\" alt=\"\" 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Die schwebende Erde, 1968<br><\/strong>Eitempera auf Karton <br>83,5 x 83,5 x 16,5 cm<br><br><\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1454\" height=\"1200\" src=\"https:\/\/maxweiler.at\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/mw664.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1229\" srcset=\"https:\/\/maxweiler.at\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/mw664.jpg 1454w, https:\/\/maxweiler.at\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/mw664-300x248.jpg 300w, https:\/\/maxweiler.at\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/mw664-768x634.jpg 768w, https:\/\/maxweiler.at\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/mw664-1024x845.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 767px) 99vw, (max-width: 1000px) 99vw, (max-width: 1071px) 99vw\" \/><figcaption><strong>Fl\u00fcgelbild im Glaskasten, 1968<br><\/strong>Eitempera auf Karton <br>75 x 61 x 16,5 cm<br><br><\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"949\" height=\"1200\" src=\"https:\/\/maxweiler.at\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/mw668.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1230\" srcset=\"https:\/\/maxweiler.at\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/mw668.jpg 949w, https:\/\/maxweiler.at\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/mw668-237x300.jpg 237w, https:\/\/maxweiler.at\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/mw668-768x971.jpg 768w, https:\/\/maxweiler.at\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/mw668-810x1024.jpg 810w\" sizes=\"auto, (max-width: 767px) 99vw, (max-width: 1000px) 99vw, (max-width: 1071px) 99vw\" \/><figcaption><strong>Viele Fl\u00fcgel, 1968<br><\/strong>Eitempera auf Leinwand <br>169,5 x 135 cm<\/figcaption><\/figure><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auch in Weilers Arbeit markiert das Jahr 1968 eine Phase des Umbruchs. Die Ersch\u00fctterungen politischer und kultureller Art, die sich europaweit ereigneten, registrierte seine au\u00dferordentliche Sensibilit\u00e4t ohne Z\u00f6gern. 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