Max Weiler - Der Zeichner

Albertina, 2011


Max Weiler und die Albertina verbindet eine lange fruchtbare Beziehung. Otto Benesch, von 1947 bis 1961 Direktor der Albertina, erkannte früh die Qualität des grafischen Werks von Max Weiler, erwarb Anfang der Fünfzigerjahre Zeichnungen und Aquarelle des Künstlers und nominierte ihn 1955 für die Biennale in Sao Paulo. Walter Koschatzky und Konrad Oberhuber vertieften in den folgenden Jahrzehnten die Verbindung, sodass die Albertina heute wesentliche Blätter aus allen Schaffensperioden des Künstlers besitzt.


Die Retrospektive basiert auf dem von der Albertina initiierten und vom Jubiläumsfonds der Oesterreichischen Nationalbank großzügig unterstützten Forschungsprojekt zum Zeichner Max Weiler. Das an der Albertina erstellte digitalisierte Werkverzeichnis der Papierarbeiten des Künstlers, das gegenwärtig 3.500 Objekte umfasst, wird in Zukunft noch weiter ausgebaut und vervollständigt und soll als Online-Werkverzeichnis spätestens im Jahr 2013 dem Publikum und der wissenschaftlichen Forschung zur Verfügung stehen.


Der erstmals erarbeitete große Überblick ermöglicht es der Albertina, ein Konzentrat aus dem in siebzig Jahren Schaffenstätigkeit, von 1927 bis zum Jahr 2001, herangereiften zeichnerischen Werk auszuwählen, die Entwicklung mit ihren grundlegenden Stationen und Höhepunkten zu verfolgen und diese unter ganz neuen Perspektiven und Schwerpunkten in den großzügigen Raumsequenzen der Propter Homines Halle zu präsentieren.


Die zeichnerische Entwicklung Max Weilers, der in hohem Maß auch ein analytischer, experimenteller, das Medium selbst reflektierender Künstler war, erfolgte in starker Analogie zu seiner Malerei in deutlich unterscheidbaren Phasen und Sprüngen.

Sein Ringen um einen eigenen Ausdruck im Kontext der internationalen Moderne artikuliert sich bis Anfang der Sechzigerjahre in den unterschiedlichsten Techniken und in kleinen, in sich geschlossenen Werkfeldern. Erst nachdem er um 1961 in den Prozessen seiner eigenen Malerei, den Probierblättern, einen ganz persönlichen Weg findet, entwickelt sich ein befreiter und mäandernder Strom der Zeichnung: Die virtuosen, sich von der Abstraktion zum expressiven Gestus spannenden Tuschpinselarbeiten der Sechzigerjahre und die reifen, sich in freien Variationen entfaltenden Bleistift- und Tuscheblätter der Siebzigerjahre, die in monumentale Zeichnungen münden. Der in der Ausstellung präsentierte Zyklus von zwölf großformatigen Arbeiten aus den Jahren 1978 bis 1980 und die zehn Meter lange Kohlezeichnung Naturgebild aus dem Jahr 1985 nehmen auch im internationalen Vergleich einen singulären Platz ein. Sie werden in dieser breiten Auswahl zum ersten Mal gemeinsam vorgestellt.