Max Weiler hat ein ungewöhnlich grosses öffentliches Oeuvre geschaffen. Es entstand, zumeist in Innsbruck, Tirol und Linz, veranlasst durch Aufträge, die durch die Kirche, kommunale Einrichtungen wie Theater, Kliniken oder Schulen, aber auch durch Private gegeben wurden. Insgesamt handelt es sich um mehr als 40 Werke, von denen hier nur wenige stellvertretend vorgestellt werden. Zuvor sollte man freilich wissen, dass Weiler, als er 1945 diese öffentliche Tätigkeit begann, die erst 1993/94 unter anderem mit den Wandbildern für das Casino in Innsbruck ein Ende fand, bereits intensiv an dieser Darstellungsform gearbeitet und über sie nachgedacht hatte. Innerhalb der österreichischen Jugendbewegung, der er zugehörte, war die Idee eines reformulierten Wandbildes, insbesondere für eine erneuerte Form der Liturgie aufgekommen. Weiler hatte dazu bereits Entwürfe geliefert, eine eigene Ausdruckssprache entwickelt, ohne dass ihm die Zeitumstände die Chance gelassen hätten, etwas davon zu realisieren. Immerhin war er auf grossformatige Wandbilder vorbereitet, sowohl technisch wie künstlerisch und geistig.


Die Fresken in der Theresienkirche in Innsbruck, 1945-47

Als er kurz nach seiner Rückkehr aus dem Krieg 1945 den Auftrag erhielt, die Theresienkirche auf der Innsbrucker Hungerburg mit einem Dekorationsprogramm auszugestalten, konnte er an seine älteren Überlegungen anknüpfen. Dies geschah jetzt allerdings auf eine ganz neue Weise, die vom Erscheinungsbild seines religiösen Frühwerkes abwich. Um sakrale Bildthemen handelt es sich gleichwohl auch hier. Das Sujet wurde ihm vom Pfarrer des Stiftes Wilten, Dominikus Dietrich vorgegeben: in Gestalt einer Ikonographie aus der Herz-Jesu-Frömmigkeit, die in Tirol schon deshalb besonders aktuell geblieben war, weil das ganze Land, seit napoleonischen Zeiten dem Schutz dieses „Heiligen Herzens“ anempfohlen war, ein sakrales Bündnis, das durch die Zeiten immer wieder erneuert worden ist und auch jetzt, nach überstandenem Krieg, wieder aufleben sollte. Im Zentrum steht die auf die Mystik zurückreichende „Imagination des Herzens Jesu“, dessen exemplarische Güte und Leidensfähigkeit die Erlösung der Menschheit ermöglicht hatte und dessen Kräfte dem Frommen im Gebet erschlossen werden sollten. Die Bilderfolge besteht aus einer Darstellung der „Herz-Jesu-Verehrung“, der „Ölbergsszene“ samt „Johannesminne“ und der „Kreuzigung Christi“. Im Zentrum steht die erwähnte „Herz-Jesu-Sonne“, ein Bild, das in einer kosmischen Bergszene die monumentale Erscheinung des gekrönten Herzens zeigt, das von sechs Engeln gehalten wird, eine Himmelsrose von abgründiger Macht und geheimnisvoller Fremdheit.

Max Weiler, der die Freskenfolge Bild für Bild entwickelt hatte, geriet recht bald in das Feuer einer heftigen Kritik. Ausgelöst wurde es einmal durch die ungewohnt farbkräftige, fauvistische Malweise, die dem Künstler z.B. die Freiheit gab, einem Kreuzigungsbild ein blaues Pferd einzuverleiben. Zum anderen war die Aktualisierung des Themas als anstössig empfunden worden. Weiler gruppierte Tiroler Bauern unter die Kreuzigungsszene und einem von ihnen gab er gar die Lanze in die Hand, die Christi Seite öffnete. Ein Sturm der Entrüstung brach los, der Weiler sogar wegen „Herabwürdigung des Bauernstandes“ vor die Schranken des Gerichtes führte. Insgesamt ist dieser in den regionalen, nationalen und internationalen Gazetten ausgetragene Bilderstreit ein komplexes Ereignis gewesen, das als Symptom für konservative Mentalitäten, Modernisierungsprobleme und Kunstfremdheit gedeutet werden kann. Weiler, der unter diesen Ereignissen sehr gelitten hatte, wurde dadurch freilich auch berühmt. Die Freskenfolge, die er gesamtheitlich geplant hatte, konnte er nicht fertigstellen. Auch kirchlich verurteilt war sein Werk eine zeitlang sogar von Zerstörung bedroht. Er verhängte es sicherheitshalber mit Tüchern, die nach einem knappen Jahrzehnt der Beruhigung und der Gewöhnung wieder abgenommen werden konnten. Seitdem sind die zwischen 1945 und 1947 fertiggestellten Fresken wieder zu sehen. Sie repräsentieren eines der öffentlichen Hauptwerke Weilers und dasjenige Zeugnis, in dem sich seine zwiespältige Beziehung zum Land seiner Herkunft am deutlichsten manifestierte.

Innenansichten in der Theresienkirche in Innsbruck
(links: Ostwand; rechts: Westwand)

Fresken der Ostwand ca. 700 x 1800 cm



Fresko in der Friedenskirche in Linz-Urfahr

Apokalypse des Johannes, 1950/51
Fresko in der Friedenskirche in Linz-Urfahr
ca. 1000 x 900 cm
(rechts: Aufnahme von der Einweihung)



Wandmalereien im Innsbrucker Hauptbahnhof, 1954

Mit dem Auftrag für die Kassenhalle des Hauptbahnhofs in Innsbruck (1954/55) schuf Weiler wiederum ein Werk größter öffentlicher Aufmerksamkeit. Dargestellt sind, auf zwei korrespondierenden Wandfeldern, Innsbrucks Geschichte und Innsbrucks Gegenwart. Die Werke fügen charakteristische Bildzeichen aus der Vergangenheit und aus der zeitgenössischen Welt zusammen, geben dem Ankommenden oder Abreisenden gleichsam ein visuelles Resümee des Ortes. An diesen in Silikatfarben gemalten offenen Wandbildern lässt sich besonders gut Weilers dekorative Ästhetik erfassen. Sie intendiert keine direkte Konfrontation des Betrachters, sondern sie reagiert auf die halbe Aufmerksamkeit von Menschen, die in ihre Geschäfte vertieft sind, die vorbeigehen und sich in Bilder nicht versenken wollen. Es sind Werke, die mit einem ambulanten Blick rechnen.

Die Wandmalereien wurden 2001 abgenommen und 2004 im neuen Innsbrucker Hauptbahnhof an prominenter Stelle wieder angebracht.

Historische Aufnahme vom Innsbrucker Bahnhof mit „Innsbrucks Geschichte“, 1954

Raumansichten vom neuen Innsbrucker Hauptbahnhof
(links „Innsbrucks Geschichte, 1954“, rechts „Innsbrucks Gegenwart, 1955“)



Betonglasfenster der Kapelle der Eucharistieschwestern in Salzburg-Herrnau, 1959

Kapelle der Eucharistieschwestern in Salzburg-Herrnau: „Das Lamm gleich wie geschlachtet“, 1959
Betonglasfenster
500 x 800 cm



Wandmalereien im Großen Stadtsaal in Innsbruck, 1960

Wandmalerei im Großen Stadtsaal in Innsbruck, linke Seite, 1960
Raumansicht Stadtsaal Silikatfarben auf Kalkputz 270 x 2825 cm

Wandmalerei im Großen Stadtsaal in Innsbruck, rechte Seite, 1960
Raumansicht Stadtsaal Silikatfarben auf Kalkputz 270 x 2825 cm



Eisener Vorhang im Tiroler Landestheater in Innsbruck, 1967

Anders war die Situation beschaffen, die Weiler antraf, als er beauftragt wurde den „Eisernen Vorhang des Tiroler Landestheaters in Innsbruck“ zu bemalen (1967). Der Blick aus dem Zuschauerraum erfasst die Stirnwand in jedem Falle schon wie ein statisches Bild. Das Gemälde, das eine frei imaginierte apokalyptische Naturszene entfaltet, hat Weiler mit einem komplizierten Titel versehen, der sich wie eine kurzgefasste Inhaltsangabe liest. Er lautet: „Speiche des blutigen Schicksalsrades dreht um die dunkle Sonne. Landschaftstrümmer, Landschaftsfiguren und prophetische Gestalt.“ Mit der zuletzt erwähnten Prophetenfigur setzte Weiler seinem alten Innsbrucker Freund Ludwig von Ficker ein Zeichen der Erinnerung. In den Tagen der Fertigstellung war er gestorben. 

Gerade dieses Werk belegt auch die enge Verknüpfung der öffentlichen Bilder mit Weilers sonstiger künstlerischer Entwicklung. Der Eiserne Vorhang ist auch eine Art Resümee dessen, was der Künstler unter dem Stichwort und Titel „Wie eine Landschaft“ zwischen 1961 und 1967 geschaffen hatte. Weiler hat dieses Werk von etwa 110 Quadratmetern Fläche bereits in verschiedene Teilflächen aufgeteilt, in seinem Wiener Atelier an der Akademie der bildenden Künste gemalt, wohin er 1964 berufen worden war.

Eiserner Vorhang im Tiroler Landestheater: Speiche des blutigen Schicksalsrades dreht um die dunkle Sonne. Landschaftstrümmer, Landschaftsfiguren und prophetische Gestalt, 1967
Eitempera auf Leinwand auf Eisen geklebt
977 x 1211



Deckengemälde in der Pfarrkirche in Mayrhofen, 1971

Ein weiteres Zeichen aus der Ferne repräsentiert die „Rose von Jericho“, die Weiler 1971 im Auftrag der Pfarrkirche von Mayrhofen in Tirol gemalt hatte. Das Sujet stammt aus der Ikonographie der Rose von Jericho, einer Pflanze des Heiligen Landes, die wieder ergrünt, wenn man das Nest ihrer abgestorbenen Blätter in Wasser legt. Als natürlicher Hinweis auf die Auferstehung war dieses Naturzeichen in der Volksfrömmigkeit gebräuchlich und populär geworden. Weiler macht daraus ein monumentales Deckenbild. Aus dem Rund der Blattwerkes steigt eine rote, fast abstrakte Form auf, die an das mysteriöse Herz der Liebe erinnert, das Weilers Thema in der Theresienkirche gewesen war.

Rose von Jericho, Deckenbild in der Pfarrkirche von Mayrhofen, 1971
Eitempera auf Leinwand auf Kalkputz geklebt
650 x 650 cm



Vollständige Liste aller öffentlichen Werke Max Weilers:

1932
Burg Petersberg bei Silz. Erste Wandmalereien, zerstört

1937
Weltausstellung in Paris. Österreich-Kapelle des päpstlichen Pavillons: „Bund im Blut des Sohnes“, Glasfenster, 100 x 300 cm, zerstört

1945–47
Theresienkirche in Innsbruck/Hungerburg: „Verehrung des Herzens Jesu“, 1946, Fresko, ca. 700 x 765 cm; „Johannesminne und Ölberg“, 1947, Fresko, ca. 700 x 595 cm; „Herz-Jesu-Sonne“, 1947, Fresko, ca. 700 x 665 cm; „Lanzenstich“, 1947, Fresko, ca. 700 x 580 cm

1949
Volksschule in Gallzein, Wandmalerei, 350 x 450 cm

1950
Hauptschule in Wattens: „Baum des Lebens“, Sgraffito, ca. 500 x 470 cm

1950/51
Fünf Bildstöcke an der Haller Straße (Innsbruck bis Hall i. T.): „Die Glorreichen Rosenkranzgeheimnisse“, Keimsche Mineralfarben/Eternit, je ca. 90 x 60 cm Volksschule in Kitzbühel: „Die vier Jahreszeiten“, Keimsche Mineralfarben,ca. 700 x 600 cm Friedenskirche in Linz-Urfahr: „Apokalypse des Johannes“, Fresko, ca. 1000 x 900 cm Bauernhaus in Grins bei Landeck: „Margarete Maultasch“, Fresko, ca. 250 x 200 cm

1952
Kapelle des Magnesitwerkes in Lanersbach: „Schutzengel mit Arbeiter“, Fresko, ca. 200 x 380 cm Knabenhauptschule in Hall i. T.: „Kaiser Maximilian“, Fresko, 550 x 520 cm

1953
Wohnhaus Dr. Zecha in Innsbruck-Mentlberg: „Engel im Garten“, Keimsche Mineralfarben, ca. 250 x 400 cm Speisesaal im ehemaligen Hotel Tyrol in Innsbruck: „Erzherzog Ferdinand II. und Philippine Welser auf Schloß Ambras“, Silikatfarben auf Kalkputz, ca. 420 x 670 cm

1954
Hofgärtnerei in Innsbruck: „Luft- und Pflanzenwesen“, Silikatfarben auf Kalkputz, 300 x 425 cm Medizinische Universitätsklinik in Innsbruck: „Fröhliche Komposition“, Glassteinmosaik, 110 x 140 cm; „Tobiaserzählung“, Glassteinmosaik, 140 x 215 cm

1954/55
Kassenhalle des Hauptbahnhofes in Innsbruck: „Innsbrucks Geschichte“, 1954, Keimsche Mineralfarben, 600 x 1000 cm; „Innsbrucks Gegenwart“, 1955, Keimsche Mineralfarben, 800 x 1200 cm

1955
Wohnhaus in Wörgl: „Tanzende Kinder“, Sgraffito

1956
Gasthof Breinößl in Innsbruck: „Landschaft“, Mosaiksäule, ca. 200 cm hoch Hotel Clima-Hiesmayr in Innsbruck: Mosaik aus Spalt- und Keramikplatten,ca. 850 x 500 cm Rettungsheim in Hall i.T.: Steinmosaik Wohnhaus in Innsbruck-Pradl: Steinmosaik

1958
Viehhof in Imst: „Arma Christi mit Stier“, Mosaik aus glasierten Keramikplatten, ca. 700 x 600 cm Gedenksäule Hofrat Menardi, Brennerstraße bei Matrei a.Br.: „Figuren und Tiroler Kirchen“, Mosaik, ca. 300 cm hoch Wohnhaus in Innsbruck-Innrain: Betonglas-fenster, 150 x 155 cm Universitäts-Augenkinderklinik in Innsbruck: Wand- und Deckenmalerei, Eitempera

1959
Kapelle der Eucharistieschwestern in Salzburg-Herrnau: „Das Lamm gleich wie geschlachtet“, Betonglasfenster, 500 x 800 cm

1960
Bundesrealgymnasium in Lienz, Vordachwand: Keramikplatten, 203 x 659 cm Großer Stadtsaal in Innsbruck: Zwei Wandfriese, Keimsche Mineralfarben, je 270 x 2825 cm

1961/62
Kirche Maria am Gestade in Innsbruck-Sieglanger: „Als alle Dinge…“, Betonglasfenster, 320 x 2800 cm

1964
Tiroler Studentenheim in Wien-Neuwaldegg: Wandmalerei, Keimsche Mineralfarben/Kalkputz, 650 x 250 cm Bank für Tirol und Vorarlberg in Mayrhofen: Wandmalerei, Keimsche Mineralfarben/Kalkputz, 650 x 450 cm Wohnhaus in Hall i.T.: Sgraffito, 725 x 490 cm

1966
Pfarrkirche in Uettingen, Deutschland:Glasfenster, 250 x 250 cm

1967
Tiroler Landestheater in Innsbruck: Eiserner Vorhang, Eitempera/Leinwand auf Eisen geklebt, 1000 x 1100 cm

1971
Pfarrkirche in Mayrhofen: „Rose von Jericho“, Eitempera/Leinwand auf Kalkputz geklebt, 650 x 650 cm

1985
Raiffeisenbank in Lienz: „Fröhliche Landschaft“, Eitempera/Leinwand, 225 x 600 cm

1986
Universitäts-Augenkinderklinik in Innsbruck: „Märchenhaft“, Eitempera/Leinwand, 123,5 x 232,5 cm

1987
Girozentrale in Wien: „Welt des Wachstums“, Eitempera/Leinwand, 380 x 360 cm

1990
Salzburger Landesausstellung: Hörraum 4 in der Ausstellung „Mozart – Bilder und Klänge“: „Wie eine Symphonie“, 1990, Eitempera/Leinwand, 500 x 630 cm. Seit Juli 2008 als Dauerleihgabe im Karl-Böhm-Saal des Festspielhauses in Salzburg.

1992/93
Casino Innsbruck: „Freudige Komposition“, 1992, Eitempera/Leinwand, 300 x 600 cm; „Goldregen und schwarzer Baum“, 1993, Eitempera/Leinwand, 300 x 600 cm; „Introduktion“, 1993, Eitempera/Leinwand, 300 x 600 cm

1994
Landwirtschaftliche Bundesanstalten in Hirschstetten bei Wien: „Vom Leben eines Bauern“, Eitempera/Leinwand, 210 x 660 cm